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Cannabinoide: Was sie sind und wie sie wirken
Cannabinoide werfen bei vielen Patient:innen Fragen auf: Wie unterscheiden sich THC und CBD, was passiert im Körper an den Cannabinoid-Rezeptoren, und welche Wirkstoffe kommen in Deutschland medizinisch zum Einsatz? Wir ordnen die wichtigsten Begriffe ein, erklären das Endocannabinoid-System verständlich und fassen die wichtigsten Cannabinoide kompakt zusammen — im Grundlagen-Ratgeber und im Kontext von medizinischem Cannabis.
Co-Founder & Chief Pharmaceutical Officer · Apotheker
Was sind Cannabinoide? Definition und Überblick
Cannabinoide kurz erklärt
Cannabinoide sind eine Gruppe chemisch verwandter Substanzen, die an spezifische Andockstellen im Körper binden, die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Chemisch handelt es sich um terpenoide phenolische Verbindungen mit einem charakteristischen Resorcinyl-Kern. Das typische Grundgerüst von THC oder CBD beruht auf einer trizyklischen Benzopyranstruktur. Cannabis ist also nicht gleich Cannabinoid: Cannabis bezeichnet die Pflanze, Cannabinoide sind die Stoffgruppe, die darin besonders konzentriert vorkommt, aber nicht nur dort. Quellen: Razdan 2008; Flores-Sanchez und Verpoorte 2008
Drei Hauptgruppen auf einen Blick
Fachlich werden Cannabinoide in drei Gruppen unterteilt:
- Phytocannabinoide stammen aus Pflanzen, vor allem aus Cannabis sativa. Bislang sind etwa 150 bekannt, mengenmäßig dominieren THC und CBD.
- Endocannabinoide sind körpereigene Botenstoffe wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG). Sie sind Teil des Endocannabinoid-Systems.
- Synthetische Cannabinoide werden im Labor hergestellt. Dazu zählen Wirkstoffe wie Nabilon, ein zugelassenes THC-Derivat. Quellen: Ujváry und Hanuš 2016; Pertwee 2008
Warum Cannabinoide medizinisch interessant sind
Mit der Strukturaufklärung von THC und CBD in den 1960er-Jahren und der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems in den 1990er-Jahren wurde klar: Cannabinoide greifen in ein körpereigenes Regulationssystem ein, das Schmerzverarbeitung, Appetit, Immunfunktion und Stressantwort mitsteuert. Hanf zählt heute zu den am intensivsten erforschten Arzneipflanzen weltweit. Quellen: Gaoni und Mechoulam 1964; Pertwee 2008
Phytocannabinoide: Wirkstoffe aus der Cannabispflanze
Phytocannabinoide sind die pflanzlichen Wirkstoffe, die für die medizinische Wirkung von Cannabis hauptverantwortlich sind. Bisher sind rund 150 verschiedene bekannt. Die meisten kommen nur in Spuren vor, klinisch am besten untersucht sind THC und CBD. Quellen: Ujváry und Hanuš 2016
Vorkommen in der Hanfpflanze
Phytocannabinoide entstehen fast ausschließlich in winzigen Drüsenhaaren, den Trichomen. Diese sitzen in dichter Zahl auf den weiblichen Blütenständen und den blütennahen Blättern. Dort werden die Wirkstoffe gebildet und als klebriges Harz gespeichert. Männliche Pflanzen und die übrigen Pflanzenteile enthalten kaum Cannabinoide. In den Blüten weiblicher Pflanzen können sie bis zu rund 30 % der Trockenmasse ausmachen. Quellen: Clarke und Watson 2007; Pate 1994
Saure Vorstufen (THCA, CBDA) und Decarboxylierung
In der lebenden Pflanze liegen die Cannabinoide als saure Vorstufen vor, vor allem als THCA und CBDA. Diese Säuren binden kaum an die körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren und sind nicht psychotrop. Erst durch Trocknung, Lagerung oder Erhitzung werden sie in die aktiven Formen THC und CBD umgewandelt. Diesen Schritt nennt man Decarboxylierung. Beim Vaporisieren bei etwa 180–210 °C läuft er zügig und nahezu vollständig ab. Quellen: McPartland, MacDonald et al. 2017
Unterschied zu Terpenen und Flavonoiden
Aus Cannabis wurden bisher mehr als 500 Substanzen isoliert. Neben den Cannabinoiden zählen dazu vor allem Terpene, die für Geruch und Aroma verantwortlich sind, sowie Flavonoide. Diese Begleitstoffe haben eigene pharmakologische Effekte und werden im Zusammenhang mit dem sogenannten Entourage-Effekt diskutiert: als mögliche Modulatoren der Cannabinoid-Wirkung, nicht als Ersatz. Quellen: Russo 2011; Lewis, Russo et al. 2018

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Endocannabinoide: Die körpereigenen Botenstoffe
Dein Körper produziert eigene Cannabinoide. Diese körpereigenen Botenstoffe heißen Endocannabinoide. Sie passen an dieselben Andockstellen wie Cannabinoide aus der Pflanze und steuern Prozesse, die du im Alltag kaum bewusst wahrnimmst: Stimmung, Schmerzempfinden, Appetit, Stressantwort.
Anandamid und 2-AG
Die zwei wichtigsten Endocannabinoide sind Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG). Der Name Anandamid leitet sich vom Sanskrit-Wort „ananda" ab, also Glückseligkeit. AEA ist der wichtigste körpereigene Ligand für den CB1-Rezeptor und hängt eng mit Stimmung und Schmerzwahrnehmung zusammen. 2-AG wirkt vor allem am CB2-Rezeptor, kommt im Gehirn rund hundertmal höher konzentriert vor als AEA und ist besonders an Nahrungsaufnahme, Energiestoffwechsel und entzündlichen Prozessen beteiligt.
Wie Endocannabinoide gebildet und abgebaut werden
Endocannabinoide werden nicht auf Vorrat gespeichert, sondern bei Bedarf neu gebildet, aus Bausteinen der Zellmembran. Anschließend werden sie sehr schnell wieder zerlegt: AEA durch das Enzym FAAH, 2-AG vor allem durch MAGL. Diese rasche Bildung und Inaktivierung ist der Grund, warum das System fein und punktgenau regulieren kann.
Funktion im Alltag des Körpers
Vereinfacht arbeitet das System wie eine körpereigene Bremse gegen Übersteuerung. Es dämpft zu starke Reize, stabilisiert die Stressantwort und unterstützt die Homöostase, also das innere Gleichgewicht.
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Synthetische Cannabinoide: Labor statt Pflanze
Der Begriff „synthetische Cannabinoide" deckt zwei sehr unterschiedliche Welten ab: pharmazeutisch entwickelte Wirkstoffe mit Zulassung und illegale Designerdrogen aus dem Schwarzmarkt. Beide wirken am Endocannabinoid-System, doch dort enden die Gemeinsamkeiten.
Medizinisch zugelassene synthetische Wirkstoffe
Zu den im Labor hergestellten Wirkstoffen mit Zulassung zählt Nabilon, ein vollsynthetisches THC-Derivat. Es ist als Drittlinientherapie gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie zugelassen, wenn andere Antiemetika nicht ausreichend wirken. Auch Dronabinol wird synthetisch hergestellt; chemisch entspricht es dem natürlichen (–)-trans-Δ⁹-THC. Beide Substanzen durchlaufen pharmazeutische Qualitätskontrollen und werden in definierten Dosierungen verschrieben.
Abgrenzung zu illegalen Designerdrogen („Spice")
Strikt davon zu trennen sind die als „Spice" oder „K2" verkauften Kräutermischungen mit aufgesprühten Cannabinoid-Analoga. Ihre chemische Struktur unterscheidet sich oft deutlich von THC; gemeinsam ist nur die Wirkung am CB-Rezeptor. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle meldet jährlich rund zehn neu auftauchende Substanzen dieser Art. Quellen: European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction 2020
Sicherheits- und Risikoprofil
Diese Research Chemicals wirken oft um ein Vielfaches stärker als pflanzliches THC und sind toxikologisch kaum untersucht. Beschrieben sind Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, akute Psychosen, Nierenversagen, Herzinfarkte und Todesfälle. Quellen: Adamowicz 2016; Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2019; Hoyte et al. 2012
Cannabinoid-Liste: THC, CBD, CBG, CBN und THCV im Vergleich
Cannabis enthält über 150 Phytocannabinoide. Die meisten kommen nur in Spuren vor. Klinisch und in der Forschung stehen fünf Substanzen im Vordergrund. Sie unterscheiden sich chemisch, in der Bindung an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 und in den bisher untersuchten Wirkungen.
THC (Tetrahydrocannabinol)
THC wurde 1964 erstmals isoliert und ist in den meisten Sorten das mengenmäßig häufigste Cannabinoid. Es bindet im niedrigen nanomolaren Bereich an CB1 und CB2 und gilt pharmakologisch als Partialagonist. CB1 vermittelt die psychotropen Effekte; die meisten zentralen Wirkungen von THC laufen über diesen Rezeptor. Quellen: Pertwee 2008; Gaoni und Mechoulam 1964
CBD (Cannabidiol)
CBD ist nicht psychotrop. Seine Affinität zu CB1 und CB2 liegt deutlich niedriger als die von THC, im mikromolaren Bereich. CBD wirkt zusätzlich als 5-HT1A-Rezeptor-Agonist und kann andere Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten antagonisieren. In kontrollierten Studien zeigte CBD antiepileptische Effekte beim Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom sowie antipsychotische Wirkungen bei Schizophrenie. Quellen: Pertwee 2008; Thomas et al. 2007; Devinsky et al. 2017; McGuire et al. 2018; Leweke et al. 2012
CBG (Cannabigerol)
CBG ist die Vorläufersubstanz mehrerer anderer Cannabinoide und wirkt nicht psychotrop. Die Affinität zu CB1 und CB2 ist gering. In vitro verhält sich CBG als potenter α2-Adrenozeptor-Agonist und als 5-HT1A-Antagonist; zusätzlich aktiviert es den TRPA1-Kanal und blockiert TRPM8. Quellen: Cascio et al. 2010; De Petrocellis et al. 2011; Rock et al. 2011
CBN (Cannabinol)
CBN entsteht durch Abbau von THC, etwa bei längerer Lagerung. Es bindet schwächer an CB1 und CB2 als THC und zeigt eine etwas höhere Affinität zu CB2 als zu CB1. Als CB1-Agonist ist CBN deutlich weniger effizient als THC. Die Bioverfügbarkeit nach Inhalation liegt im Mittel bei rund 41 Prozent. Quellen: Pertwee 1999; Rhee et al. 1997; Huestis 2005
THCV (Tetrahydrocannabivarin)
THCV ist das Propyl-Homolog von THC und zeigt eine ungewöhnliche, dosisabhängige Pharmakologie. In niedrigen Dosen wirkt es als neutraler CB1-Antagonist, in höheren Dosen als CB1-Agonist. An CB2 verhält es sich als Partialagonist. Quellen: Pertwee et al. 2007; Bolognini et al. 2010; Pertwee 2008
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Das Endocannabinoid-System: Wie Cannabinoide im Körper wirken
Cannabinoide wirken nicht zufällig im Körper. Sie docken an ein körpereigenes Regelsystem an, das Endocannabinoid-System (ECS). Erst in den 1990er-Jahren wurde es neurobiologisch beschrieben. Es besteht aus drei Bausteinen: den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, den Botenstoffen Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG) sowie den Enzymen, die diese Botenstoffe bilden und wieder abbauen.
Vereinfacht arbeitet das ECS wie ein neurovegetatives Erholungs- und Filtersystem. Es hilft dem Körper, seine Homöostase zu halten. Eine Besonderheit: Das ECS greift vor allem dort ein, wo ein System aus dem Gleichgewicht geraten ist, und lässt normale Grundaktivitäten weitgehend unberührt. Diese Wirkspezifität trägt zur therapeutischen Breite medizinischer Cannabinoide bei.
CB1- und CB2-Rezeptoren
CB1 ist der dominante Rezeptor des Nervensystems und gehört zu den am häufigsten vorkommenden G-Protein-gekoppelten Rezeptoren im Gehirn. Hohe Dichten finden sich im Hippocampus, in den Basalganglien, im limbischen System, im Kleinhirn und in den Kerngebieten der Schmerzbahn. CB1 ist außerdem in peripheren Organen aktiv, etwa im Magen-Darm-Trakt, im Herz, in der Milz und an Nervenendigungen der Haut. Er ist zugleich die wichtigste Bindungsstelle für THC.
CB2 ist der Rezeptor des Immunsystems. Er sitzt vor allem auf Immunzellen wie Mikroglia, B- und T-Lymphozyten und Leukozyten. Seine Rezeptordichte ist dort 10- bis 100-fach höher als die von CB1. Unter Entzündung, Schmerz oder Nervenverletzung wird CB2 zusätzlich hochreguliert. Seine Stimulation wirkt entzündungshemmend und immunmodulierend.
Aufgaben des ECS: Schmerz, Schlaf, Appetit, Immunsystem
Das ECS reguliert sehr unterschiedliche Bereiche. Es wirkt auf Stimmung, Stressverarbeitung, Lernen und Gedächtnis, auf das Belohnungssystem und auf vegetative Funktionen wie Appetit oder Übelkeit.
Bei der Schmerzverarbeitung greift das ECS an mehreren Stellen ein: Es hemmt die Weiterleitung von Schmerzsignalen, dämpft die emotionale Färbung von Schmerz, mildert Angst und beeinflusst entzündungsbedingte Schmerzkomponenten. Dabei kooperieren CB1- und CB2-Signale mit dem Endorphin- und dem TRPV1-System.
Beim Appetit aktiviert eine CB1-Stimulation die Nahrungsaufnahme und koppelt das Belohnungssystem an die Appetitkontrolle im Hypothalamus. Im Immunsystem wirken die körpereigenen Liganden überwiegend entzündungshemmend und immunsuppressiv. Auch beim Stress fungiert das ECS als Puffer: AEA und 2-AG regulieren in einem Yin-Yang-artigen Verhältnis die Stressantwort der HPA-Achse mit. Krankheitsbilder wie Migräne, Fibromyalgie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden in der Literatur deshalb auch als mögliche „Endocannabinoid-Mangel-Syndrome" diskutiert; die pathogenetische Rolle ist aber meist nur ein Teil des Bildes. Quellen: Kendall und Yudowski 2016; Patel, Hill et al. 2017; Chanda, Neumann et al. 2019; Morena, Patel et al. 2016; Bridgeman und Abazia 2017; Silvestri und Di Marzo 2013
Entourage-Effekt: Zusammenspiel mehrerer Cannabinoide
Cannabis enthält über 500 Inhaltsstoffe, darunter mehr als 150 Cannabinoide und zahlreiche Terpene. Der Begriff „Entourage-Effekt" wurde 1998 von Mechoulam eingeführt und beschreibt heute alle erwünschten Begleiteffekte, die nicht direkt von THC oder CBD allein stammen. Gemeint sind synergistische Wirkungen weiterer Cannabinoide, von Stoffwechselprodukten und von nicht-cannabinoiden Begleitstoffen wie Terpenen.
Am besten belegt ist das Zusammenspiel von CBD und THC. Reviews und Studien beschreiben CBD als Synergist für THC: über angstlösende und antipsychotische Effekte, über die Hemmung des Abbaus von THC zum stärker psychoaktiven 11-OH-THC und über entzündungshemmende und immunmodulierende Wirkungen. In einer Studie zu opioidresistenten Krebsschmerzen führte die Kombination THC + CBD zu einer um 30 % stärkeren Schmerzlinderung als ein THC-reicher Extrakt ohne CBD oder Placebo.
Für Terpene ist die Datenlage zurückhaltender zu bewerten. In den verfügbaren medizinischen Cannabisextrakten sind ihre therapeutischen Effekte wahrscheinlich zu schwach, um eigenständig wahrgenommen zu werden. Sie gelten eher als Add-on im Sinne einer Komedikation. Belastbare klinische Aussagen zu Umfang und Kausalität des Entourage-Effekts insgesamt erfordern weitere Forschung. Quellen: Mechoulam, Fride et al. 1998; Russo 2011; Russo und Guy 2006; Johnson, Burnell-Nugent et al. 2010; McPartland und Russo 2001; Lewis, Russo et al. 2018
Cannabinoide in der medizinischen Anwendung in Deutschland
Welche Cannabinoide kommen therapeutisch zum Einsatz?
In der Praxis spielen vor allem THC (als Reinstoff Dronabinol), CBD, das vollsynthetische THC-Derivat Nabilon und die fixe THC/CBD-Kombination Nabiximols eine Rolle. Die belastbarste Studienlage gibt es für chronische, vor allem neuropathische Schmerzen, für Spastik bei Multipler Sklerose, für chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen sowie für Appetitstimulation bei HIV/AIDS- und Krebspatient:innen. In der Begleiterhebung des BfArM war chronischer Schmerz mit über drei Vierteln die mit Abstand häufigste Diagnose. Quellen: Whiting et al. 2015; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017; BfArM Begleiterhebung 2022
Darreichungsformen: Blüten, Extrakte, Fertigarzneimittel
Verordnungsfähig sind getrocknete Cannabisblüten und standardisierte Extrakte sowie Rezeptur- und Fertigarzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon. Blüten werden über Vaporisatoren inhaliert oder als Tee zubereitet, Extrakte und Öle oral eingenommen, Fertigarzneimittel zusätzlich als Mundspray oder Kapsel. Aus pharmakokinetischen Gründen werden orale Darreichungsformen häufig bevorzugt, weil sie stabilere Wirkspiegel ermöglichen.
Rechtlicher Rahmen und Verordnung
Seit dem Cannabis-als-Medizin-Gesetz vom 10. März 2017 sind Cannabisblüten, -extrakte sowie Dronabinol und Nabilon nach Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes verkehrs- und verschreibungsfähig. Sie dürfen ausschließlich auf einem BtM-Rezept verordnet und in der Apotheke abgegeben werden. CBD selbst fällt nicht unter das BtMG, ist aber verschreibungspflichtig. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung nach § 31 Abs. 6 SGB V setzt eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse voraus. In der Sanvivo Cannabis Apotheke beraten wir dich zur sicheren Anwendung; die ärztliche Verordnung erfolgt unabhängig durch deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt.
Quellen
Häufige Fragen zu Cannabinoiden
Sind alle Cannabinoide psychoaktiv? +
Nein. Von den über 150 in Cannabis identifizierten Cannabinoiden ist vor allem THC psychotrop wirksam. CBD, CBG und CBV (Cannabidivarin) gelten als nicht psychotrop. CBG hat zudem nur eine geringe Affinität zu den klassischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Auch saure Vorstufen wie THCA wirken praktisch nicht psychoaktiv, solange sie nicht durch Wärme decarboxyliert werden.
Wie viele Cannabinoide gibt es insgesamt? +
In Cannabis sind aktuell rund 150 Phytocannabinoide bekannt. Insgesamt lassen sich aus Cannabisextrakten und Blüten mehr als 500 Inhaltsstoffe isolieren, die meisten davon in sehr geringer Konzentration und mit bislang unklarer Wirkung auf den Menschen. Klinisch relevant ist daher nur eine sehr begrenzte Auswahl. *Quellen: Ujváry und Hanuš 2016*
Was ist der Unterschied zwischen Cannabinoiden und Cannabis? +
Cannabis ist die Pflanze (*Cannabis sativa* L.), genauer eine Gattung der Hanfgewächse. Cannabinoide sind eine bestimmte Stoffgruppe in dieser Pflanze, chemisch terpenoide phenolische Verbindungen mit charakteristischem Resorcinyl-Kern. Cannabis enthält neben Cannabinoiden Hunderte weiterer Inhaltsstoffe, darunter Terpene und Flavonoide, die das Wirkprofil mitprägen.
Sind CBD und THC legal in Deutschland? +
Die Rechtslage ist gestaffelt. THC unterliegt grundsätzlich dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und ist medizinisch nur über ein ärztliches BtM-Rezept zugänglich. Seit 2017 können Cannabisarzneimittel mit THC bei medizinischer Eignung verschrieben werden. CBD fällt nicht unter das BtMG, ist aber als Arzneistoff rezeptpflichtig; ein CBD-haltiges Fertigarzneimittel ist in Deutschland für bestimmte Epilepsieformen zugelassen. CBD-Produkte außerhalb von Apotheken bewegen sich rechtlich oft in einer Grauzone.
Können Cannabinoide abhängig machen? +
Beim nicht medizinischen Cannabiskonsum entwickelt etwa jede:r vierte Konsument:in im Lauf des Lebens eine Cannabissuchterkrankung nach DSM-V (rund 27 %). Das Risiko ist erhöht bei Männern, frühem Einstiegsalter und vorrangig inhalativem Konsum. Beim medizinischen Einsatz oraler Cannabisarzneimittel ist das Suchtpotenzial deutlich geringer; die BfArM-Begleiterhebung dokumentierte bisher kaum Suchtverhalten. Mögliche Absetzsymptome lassen sich durch langsames Ausschleichen vermeiden, immer in Absprache mit der behandelnden Ärzt:in. *Quellen: Feingold et al. 2020; Schlag et al. 2021; Schmidt-Wolf und Cremer-Schaeffer 2019; Gottschling et al. 2020*
Wie kommst du an eine ärztliche Einschätzung zu einer Cannabinoid-Therapie? +
Zuerst klärt deine behandelnde Ärztin oder dein behandelnder Arzt, ob eine Cannabinoid-Therapie medizinisch sinnvoll ist. Mit unserem [Eignungs-Check](/eignungscheck) kannst du dich vorab orientieren. Liegt ein gültiges Rezept vor, beliefern wir dich in der Apotheke — diskret verpackt und mit pharmazeutischer Prüfung.
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Medizinischer Hinweis ›
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die zitierten Studien beschreiben den Forschungsstand, nicht das individuelle Ansprechen einer einzelnen Patientin oder eines einzelnen Patienten. Eine cannabisbasierte Therapie kommt nur nach individueller ärztlicher Prüfung und Verordnung infrage. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder an uns in der Apotheke.
