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Cannabis-Tinktur: Was sie ist, wie sie wirkt und wie sie angewendet wird

Cannabis-Tinktur erklärt: Definition, sublinguale Anwendung, Dosierung und der Unterschied zu Cannabis-Öl und Extrakt — verständlich aus Apothekersicht.

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Cannabis-Tinktur: Was sie ist, wie sie wirkt und wie sie angewendet wird

Eine Cannabis-Tinktur wirft bei vielen Patient:innen Fragen auf: Was ist rechtlich erlaubt, welche Darreichungsformen gibt es, wie wirken THC und CBD und wie kommst du an ein Rezept? Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Punkte ein und zeigt, wo die Cannabis-Tinktur sich von Cannabis-Öl, Extrakt und Inhalation unterscheidet — als Teil unseres Ratgebers zu medizinischem Cannabis.

Was ist eine Cannabis-Tinktur?

Eine Cannabis-Tinktur ist ein flüssiger Auszug aus Cannabisblüten. Pharmazeutisch fällt sie unter die Monographie „Extrakte aus pflanzlichen Drogen" des Europäischen Arzneibuchs. Im engeren Sinn meint man damit ethanolische oder glycerolische Cannabisauszüge, also Auszüge, bei denen Alkohol oder Glycerol als Lösungsmittel im fertigen Produkt verbleibt. Das ist der zentrale Unterschied zu Cannabisölen, in denen die Wirkstoffe in mittelkettigen Triglyceriden (MCT-Öl) gelöst sind.

Definition und Geschichte

Cannabis-Tinkturen haben eine lange medizinische Tradition. Der irische Arzt William B. O'Shaughnessy beschrieb 1839 in seiner Studie On the Preparations of the Indian Hemp, or Gunjah den Einsatz von Tinkturen und Pillen unter anderem bei Rheumatismus, Tetanus und Krampfleiden. Seine Arbeit gilt als Wegbereiter dafür, dass sich Cannabis im 19. Jahrhundert in der europäischen Schulmedizin etablieren konnte.

Inhaltsstoffe: THC, CBD und weitere Cannabinoide

In der Pflanze sind bisher mehr als 150 Cannabinoide bekannt. Therapeutisch am besten untersucht sind die beiden Hauptcannabinoide Δ⁹-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ein Vollspektrum-Auszug enthält daneben Terpene, Flavonoide und weitere Begleitstoffe. Ihr Beitrag zur Gesamtwirkung wird unter dem Stichwort Entourage-Effekt diskutiert. Quellen: O'Shaughnessy 1839; Ujváry und Hanuš 2016

Tinktur als Darreichungsform in der Medizin

In der modernen deutschen Versorgung spielen klassische alkoholische Cannabis-Tinkturen kaum noch eine Rolle. Verordnet werden überwiegend ölige Cannabisextrakte, Dronabinol-Lösungen und CBD-Lösungen. Der Begriff „Cannabis-Tinktur" wird umgangssprachlich aber häufig auch für diese öligen Zubereitungen verwendet, was schnell zu Verwirrung führt. Pharmazeutisch sauber bleibt die Trennung: Tinktur enthält Ethanol oder Glycerol, Öl enthält ein lipophiles Trägeröl.

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Herstellungsverfahren: So entsteht eine Cannabis-Tinktur

In Deutschland wird eine Cannabis-Tinktur als Rezepturarzneimittel patientenindividuell in der Apotheke hergestellt, auf Basis einer ärztlichen Verschreibung und nach den Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung.

Ethanol-Extraktion Schritt für Schritt

Für medizinische Cannabisextrakte dient wasserfreies oder hochprozentiges Ethanol als Auszugsmittel. Da nicht alle Cannabinoide in Alkohol gleich stabil sind, läuft die Extraktion oft bei niedrigen Temperaturen (–20 °C bis –45 °C), meist als Mazeration oder Perkolation.

  • Bei der Mazeration übergießt man die zerkleinerten Blüten mit Ethanol und lässt sie lichtgeschützt stehen.
  • Bei der Perkolation tropft frisches Lösungsmittel kontinuierlich durch das Pflanzenmaterial. Das verläuft schneller und vollständiger.

Der Primärextrakt wird filtriert, unter Vakuum eingeengt und je nach Zielprodukt das Ethanol entfernt. Anschließend werden mitextrahierte Lipide, Wachse und Chlorophyll bei tiefen Temperaturen ausgefällt und abfiltriert (sogenannte Winterisierung). Übrig bleibt ein klarer, standardisierbarer Extrakt.

Decarboxylierung der Cannabinoide

In der frischen Pflanze liegen Cannabinoide überwiegend als Säuren vor, etwa als THCA und CBDA. Diese Säureformen sind keine Agonisten der Cannabinoid-Rezeptoren und wirken pharmakologisch anders als die neutralen Formen THC und CBD. Damit ein Extrakt seine typische Wirkqualität entfaltet, müssen die Säuren zuvor decarboxyliert, also in die neutralen Cannabinoide umgewandelt werden.

Das geschieht durch Hitze, typischerweise bei 100–150 °C über 30–120 Minuten. In der Praxis erhitzt man das grob gemahlene Blütenmaterial im Ofen, oft etwa 30–45 Minuten bei rund 110 °C. Temperatur und Zeit müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt sein, weil bei zu hoher Hitze gleichzeitig Cannabinoide und Terpene abgebaut werden.

Apothekenherstellung versus Fertigarzneimittel

Hier verläuft eine wichtige Trennlinie. Fertigarzneimittel sind im Voraus industriell hergestellt, durchlaufen ein Zulassungsverfahren und kommen in einer abgabefertigen Packung in den Verkehr. Rezepturarzneimittel entstehen erst nach ärztlicher Verschreibung in der Apotheke, patientenindividuell und nicht auf Vorrat.

Cannabis-Tinkturen aus deutschen Apotheken fallen in die zweite Kategorie. Die Apotheke arbeitet mit geprüften Ausgangsstoffen, einer dokumentierten Plausibilitätsprüfung und einer schriftlichen Herstellungsanweisung. Das Ergebnis ist Apothekenqualität: nachvollziehbar, dokumentiert und ärztlich verordnet.

Sublinguale Anwendung: Tropfen unter die Zunge

Bei der sublingualen Anwendung gibst du die Tropfen unter die Zunge und lässt sie dort einwirken, bevor du schluckst. Ein Teil der Cannabinoide gelangt so direkt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf und umgeht den First-Pass-Effekt in der Leber. Sublingual fluten die Wirkstoffe schneller an als bei reiner oraler Einnahme.

Schritt-für-Schritt-Einnahme

Konkrete Tropfenmengen, Tageszeit und Häufigkeit legt deine behandelnde Ärzt:in individuell fest. In der Praxis sieht das so aus: Dosis mit der von der Apotheke ausgegebenen Dosierhilfe (Pumpe oder Kolbenpipette) entnehmen, unter die Zunge geben, kurz einwirken lassen und dann schlucken. Ob du den Tropfen sublingual, an der Wangenschleimhaut oder im Rachenraum applizierst, macht bei vergleichbaren Cannabisextrakten kaum einen Unterschied: Plasmaspiegel und Zeitverlauf bleiben ähnlich. Quellen: Guy und Robson 2004

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Bei oromucosaler Anwendung eines THC/CBD-Extrakts sind die Wirkstoffe innerhalb von etwa 15 Minuten im Plasma nachweisbar. Die mittlere maximale Plasmakonzentration wird nach rund 45 bis 120 Minuten erreicht. Im Vergleich zur Inhalation fluten die Wirkstoffe deutlich langsamer an: Nach Inhalation tritt eine Wirkung schon binnen 1–2 Minuten ein, und die Plasmaspitzenwerte liegen 10- bis 20-fach höher als nach oraler Aufnahme. Quellen: GW Pharma Ltd. 2011; Karschner, Darwin et al. 2011; Grotenhermen 2003

Vorteile gegenüber Inhalation und oraler Aufnahme

Gegenüber dem Verdampfen oder Rauchen entlastet die sublinguale Anwendung die Lunge, und die Anflutung verläuft sanfter. Das senkt das Risiko akuter Nebenwirkungen wie psychomotorischer Unruhe oder Tachykardie, die vor allem bei rascher Anflutung beschrieben werden. Gegenüber rein oraler Einnahme (Kapseln, Edibles) kann der sublinguale Anteil den First-Pass-Metabolismus teilweise umgehen, was den spürbaren Wirkeintritt beschleunigen kann. Studien zeigen aber: Die Pharmakokinetik zwischen oraler und oromucosaler Gabe unterscheidet sich in Cmax und Tmax nicht immer deutlich, die individuellen Schwankungen sind groß. Quellen: Karschner, Darwin et al. 2011; Huestis 2007

Bewertungen

Das sagen Patientinnen und Patienten über Sanvivo

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Abo · 27. Juli 2026

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Dosierung von Cannabis-Tinkturen

Wie viel Wirkstoff in einem Tropfen steckt, hängt vor allem von der Konzentration der Tinktur und der Tropfengröße ab. Die individuelle Dosis legt immer die behandelnde Ärzt:in fest, nicht du selbst, nicht die Apotheke und kein Online-Rechner.

Tropfen, Milligramm, THC-Gehalt: Wie liest man das Etikett?

Auf dem Etikett einer ölig-alkoholischen Cannabis-Zubereitung stehen in der Regel die Konzentration in Milligramm pro Milliliter (z. B. THC 25 mg/ml) und, falls enthalten, der CBD-Gehalt. Bei Rezepturen wird oft zusätzlich die Gesamtmenge an THC pro Packung ausgewiesen. Wie viele Milligramm tatsächlich in einem Tropfen sind, bestimmt die Apotheke über eine sogenannte Tropfen-Kalibrierung: Sie ermittelt, wie viele Tropfen einem Gramm beziehungsweise Milliliter entsprechen, und rechnet das auf die Dronabinol-Dosis pro Tropfen um. Bei Zubereitungen mit Dosierpumpe wird in „Hüben" dosiert: Ein Hub eines Nabiximols-Mundsprays entspricht zum Beispiel 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD.

Titration: langsam einschleichen

Für alle cannabisbasierten Arzneimittel gilt der Leitsatz „start low, go slow", manchmal erweitert um „keep low". Die Behandlung beginnt mit der niedrigstmöglichen Dosis und wird langsam gesteigert, bis eine ausreichende Wirkung eintritt oder Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Benommenheit eine Grenze setzen.

Bei oraler Einnahme nennt die Literatur als Orientierung: Anfangsdosen um 2,5 mg THC einmal täglich, Steigerung um 1–2 mg THC ein- bis zweimal pro Woche oder um 2,5 mg alle 2–5 Tage, je nach Verträglichkeit. Übliche Tagesdosierungen liegen häufig zwischen 15 und 20 mg THC, bei älteren Patient:innen oft auch deutlich darunter. Ein allgemeingültiges Schema gibt es ausdrücklich nicht. Quellen: MacCallum und Russo 2018; Sihota, Smith et al. 2020; Müller-Vahl und Grotenhermen 2020; Carter, Weydt et al. 2004

Ärztliche Begleitung als Voraussetzung

Eine Cannabistherapie ist stark individualisiert. Indikation, Vorerfahrung, Begleitmedikation, Alter und das THC-/CBD-Verhältnis der Zubereitung beeinflussen die passende Dosis. Deshalb erfolgt die Dosistitration ausschließlich durch die verschreibende Ärzt:in, jede Anpassung in Absprache mit ihr. Bei uns in der Apotheke unterstützen wir dich bei Fragen zu Etikettangaben, Lagerung und sicherer Anwendung — die medizinische Dosisfindung bleibt aber immer in ärztlicher Hand. Quellen: Romano und Hazekamp 2013; Carter, Weydt et al. 2004

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Tinktur, Öl und Extrakt: Wo ist der Unterschied?

Tinktur, Öl und Extrakt klingen ähnlich, sind pharmazeutisch aber drei unterschiedliche Dinge. Der zentrale Unterschied liegt im Trägerstoff, im Herstellungsverfahren und in der rechtlichen Einordnung.

Tinktur vs. Cannabisöl

Eine Tinktur ist im Cannabis-Kontext ein flüssiger Auszug, bei dem das Lösungsmittel nach der Extraktion im Produkt verbleibt. Üblich sind Ethanol oder Glycerol. Ethanol löst Cannabinoide und Terpene besser heraus, Glycerol-Tinkturen enthalten dadurch meist weniger Wirkstoff, werden aber wegen ihres milderen Geschmacks teils bevorzugt.

Ein Cannabisöl ist in der Regel ein eingestellter Cannabisextrakt, gelöst in einem lipophilen Trägeröl, auf dem deutschen Markt fast immer mittelkettige Triglyceride (MCT), in einigen Produkten Sesamöl. Wegen ihrer öligen Konsistenz werden Cannabisextrakte umgangssprachlich oft schlicht „Cannabisöle" genannt. Lipophile Vehikel haben den Vorteil, dass Cannabinoide darin in der Regel besser gelöst und auch besser resorbiert werden als in wässrigen Zubereitungen.

Vollextrakt und Dronabinol-Lösungen

Ein Vollspektrum- oder Breitspektrumextrakt ist nach der Monographie „Eingestellter Cannabisextrakt" des Deutschen Arzneibuchs (DAB, seit 2020) ein auf einen definierten THC- und CBD-Gehalt eingestellter Extrakt aus den Triebspitzen weiblicher Cannabispflanzen. Neben THC und CBD enthält er weitere Cannabinoide, Terpene und Flavonoide. Der Begriff „Vollspektrum" ist dabei nicht absolut zu verstehen: Das genaue Inhaltsstoffmuster hängt vom Lösungsmittel und vom Extraktionsverfahren ab.

Davon zu unterscheiden sind Dronabinol-Lösungen: Hier ist der Wirkstoff isoliertes (-)-trans-Δ⁹-THC, gelöst in MCT (z. B. ölige Dronabinol-Tropfen 25 mg/ml nach NRF 22.8.) oder in Ethanol (zur Inhalation, NRF 22.16.). Auch reine CBD-Lösungen in MCT sind im NRF monographiert (NRF 22.10.).

Wann welche Form sinnvoll sein kann

Welche Form passt, entscheidet die behandelnde Ärzt:in individuell. Grobe Orientierung aus den Quellen:

  • Vollspektrumextrakte (Cannabisöle) liefern das gesamte Inhaltsstoffspektrum der Pflanze in standardisierter Form.
  • Dronabinol- oder CBD-Lösungen sind isolierte Reinstoffe mit eng definiertem Wirkstoffgehalt, sinnvoll, wenn gezielt nur THC oder nur CBD eingesetzt werden soll.
  • Klassische alkoholische Tinkturen im freizeitnahen Sinn spielen in der deutschen medizinischen Versorgung praktisch keine Rolle. Der medizinische Standard sind ölige Lösungen und Extrakte.
FormTrägerstoffTypische EinnahmeInhaltsstoff
Tinktur (Ethanol)Ethanol oder GlycerolOral oder sublingualVollspektrum; in der deutschen Versorgung selten
Cannabisöl / Extrakt (MCT-Öl)Mittelkettige TriglycerideOral oder sublingualBreitspektrum-Extrakt mit definiertem THC/CBD-Verhältnis
Dronabinol-Lösung (MCT-Öl)MCT-ÖlOral oder sublingualIsoliertes (-)-trans-Δ⁹-THC (NRF 22.8.)

Tinktur, Cannabisöl und Dronabinol-Lösung im Überblick: Unterschiede in Trägerstoff und Inhaltsstoffen.

Haltbarkeit und richtige Lagerung

Cannabinoide wie THC sind oxidationsempfindlich. Sie bauen sich mit der Zeit ab, vor allem unter dem Einfluss von Licht, Sauerstoff und Wärme. Wie schnell das passiert, hängt davon ab, wie du deine Cannabis-Tinktur lagerst.

Lichtschutz, Temperatur und Verschluss

Für cannabinoidhaltige Zubereitungen gelten in der Apotheken-Praxis drei klare Lagerungs-Regeln, die sich aus den Arzneibuch-Vorgaben ableiten:

  • dicht verschlossen, damit kein Sauerstoff eindringt
  • vor Licht geschützt, also in dunklen Glasflaschen, idealerweise im Schrank
  • unterhalb von 25 °C Raumtemperatur, je nach Produkt vorzugsweise auch kühler bei 2–8 °C

Studien zeigen: Neben der Temperatur sind Lichtexposition und Sauerstoff die zentralen Faktoren, die den THC-Abbau beschleunigen. Mit der Lagerzeit nimmt der THC-Gehalt messbar ab. Quellen: Fairbairn, Liebmann et al. 1976; Lindholst 2010; Turner, Hadley et al. 1973; Trofin, Dabija et al. 2012; Zamengo, Bettin et al. 2019

Anbruchdatum und Verfallsdatum

Rezepturen aus der Apotheke werden mit einem konkreten Enddatum der Haltbarkeit gekennzeichnet, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Bei standardisierten Cannabis-Zubereitungen orientiert sich die Aufbrauchfrist an den Monographien (z. B. NRF, ZRB). Für Zubereitungen mit unsicherer Stabilität gilt eine maximale Aufbrauchfrist von vier Wochen, teils auch kürzer. Schau also auf das Etikett deiner Apotheke: Dort stehen Verfallsdatum und gegebenenfalls die Aufbrauchfrist nach Anbruch. Quellen: Ziegler 2021

Zeichen für eine verdorbene Tinktur

Wenn eine Tinktur nicht mehr in Ordnung ist, lässt sich das oft sinnlich erkennen. Hinweise sind:

  • fremdartiger Geruch oder Geschmack
  • deutliche Verfärbung, bei Cannabinoiden ein typisches Zeichen für Oxidation
  • abweichendes Volumen oder eine offensichtlich undichte Verpackung, durch die Ethanol verdunstet sein könnte

Bei solchen Auffälligkeiten gilt: nicht weiter anwenden, sondern in der Apotheke vorzeigen. Reklamationen zu Qualitätsmängeln werden dort dokumentiert und weitergeleitet.

Cannabis-Tinktur in Deutschland: Rezept und Apotheke

In Deutschland sind cannabishaltige Zubereitungen, also auch Tinkturen mit THC, verschreibungspflichtige Betäubungsmittel. Sie werden patientenindividuell als Rezepturarzneimittel in deutschen Apotheken hergestellt und abgegeben. Reine CBD-Zubereitungen unterliegen nicht dem Betäubungsmittelgesetz, sind aber ebenfalls verschreibungspflichtig.

Verschreibungspflicht und Kostenrahmen

THC-haltige Cannabis-Tinkturen dürfen ausschließlich auf einem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) verordnet werden. Verordnen darf grundsätzlich jede approbierte Ärzt:in, eine spezielle Facharztrichtung ist dafür nicht vorgeschrieben. Bei gesetzlich Versicherten ist vor der ersten Verordnung eine Genehmigung der Krankenkasse nach § 31 Abs. 6 SGB V nötig; ohne diese Zusage trägt die Patient:in die Kosten meist selbst. Für CBD-Rezepturen reicht ein normales Rezept ohne BtM-Formalien.

Von der Verordnung zur Abgabe bei Sanvivo

Der Weg vom Rezept zur Tinktur oder öligen Lösung läuft bei uns so ab:

  1. Ärztliche Verordnung: Deine behandelnde Ärzt:in stellt ein Rezept mit Produktangabe und Anwendungshinweisen aus.
  2. Bestellung: Du wählst passende Produkte im Shop, schickst das Rezept digital ein und schließt den Checkout ab.
  3. Pharmazeutische Prüfung: Wir kontrollieren Verordnung und Zubereitung, bevor wir abgeben.
  4. Versand oder Abholung: Nach Freigabe liefern wir diskret zu dir oder bereiten die Abholung in München vor.

Eine Garantie auf ein Rezept gibt es nicht — die Eignung wird in jedem Einzelfall ärztlich geprüft. Bei Rückfragen zu Dosierung oder Lagerung erreichst du unser Apothekenteam jederzeit.

Quellen

Häufige Fragen zur Cannabis-Tinktur

Macht eine Cannabis-Tinktur high? +

Das hängt vom Wirkstoff ab. Tinkturen mit relevantem THC-Anteil können psychotrope Effekte auslösen, weil THC der wichtigste psychotrop wirkende Inhaltsstoff von Cannabis ist. CBD gilt dagegen als nicht psychotrop. Wie stark eine Wirkung auftritt, hängt von Dosis, Anwendungsweg und individueller Empfindlichkeit ab. Bei oraler oder sublingualer Einnahme ist die Anflutung deutlich langsamer als bei der Inhalation, der initiale THC-Plasmaspiegel niedriger.

Schmeckt eine Tinktur stark nach Alkohol? +

Ethanolische Tinkturen schmecken typischerweise alkoholisch und kräftig nach Pflanzenstoffen. Glycerolische Auszüge enthalten weniger Cannabinoide und Terpene, werden aber wegen ihres neutraleren Geruchs und süßlichen Geschmacks von manchen bevorzugt. In der Praxis kommen auch Mischformen vor, bei denen ein Teil des Ethanols nach der Extraktion verdampft wird, sodass eine glycerol-dominierte Tinktur entsteht.

Kann ich die Tinktur mit Essen einnehmen? +

Tinkturen werden sublingual oder oral angewendet, sublingual setzt die Wirkung schneller ein. Eine Einnahme zusammen mit dem Essen ist grundsätzlich möglich, allerdings beeinflusst Nahrung die Aufnahme. Für orales THC wurde nach einer fettreichen Mahlzeit eine deutlich höhere Gesamtexposition (AUC) gegenüber nüchterner Einnahme beschrieben. Mit Mahlzeit kommt also tendenziell mehr Wirkstoff im Körper an. Wann und wie du die Tropfen einnimmst, solltest du mit deiner behandelnden Ärzt:in abstimmen. *Quellen: Oh, Parikh et al. 2017*

Wie unterscheidet sich CBD- von THC-Tinktur? +

THC ist der wichtigste psychotrop wirkende Inhaltsstoff und wirkt als Partialagonist an den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. CBD gilt als nicht psychotrop und wirkt pharmakologisch über andere Mechanismen. THC-haltige Zubereitungen unterliegen in Deutschland dem Betäubungsmittelrecht, CBD ist verschreibungspflichtig, aber kein BtM. In der BfArM-Begleiterhebung zeigten CBD-haltige und nicht-CBD-haltige Cannabisarzneimittel insgesamt ähnliche Nebenwirkungsprofile; die Annahme, CBD reduziere generell die durch THC vermittelten Nebenwirkungen, ließ sich daraus nicht bestätigen. *Quellen: BfArM Abschlussbericht Begleiterhebung 2022*

Wie bekomme ich ein Rezept für eine Cannabis-Tinktur? +

Ein Rezept stellt immer eine approbierte Ärzt:in aus — nach Prüfung deiner Indikation. Du kannst deine Hausärzt:in oder Fachärzt:in ansprechen. Sobald du ein gültiges Rezept hast, kannst du bei uns bestellen: Produkte auswählen, Rezept digital einsenden und zwischen Versand oder Abholung in München wählen.

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Ablauf

Wie kann ich medizinisches Cannabis erhalten?

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    Bestellung erhalten

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Weiterführend

Weitere Informationen

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die zitierten Studien beschreiben den Forschungsstand, nicht das individuelle Ansprechen einer einzelnen Patientin oder eines einzelnen Patienten. Eine cannabisbasierte Therapie kommt nur nach individueller ärztlicher Prüfung und Verordnung infrage. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder an uns in der Apotheke.

Nikolai Alemi
Nikolai Alemi
Co-Founder & Chief Pharmaceutical Officer, Apotheker. Leitet die Alemi Apotheken in München und verantwortet bei Sanvivo die pharmazeutische Qualität.
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